BiografienSamual Hahnemann
1790 unternimmt der Arzt Christian Friedrich Samuel Hahnemann einen medizinischen Selbstversuch. Er nimmt den natürlichen Grundstoff für Chinin, Chinarinde zu sich. Zur damaligen Zeit ein sündhaft teures fiebersenkendes Arzneimittel, das man vor allem bei Malaria einsetzt. "Ich nahm des Versuchs halber etliche Tage zweimal täglich jedesmal 4 Quentchen gute China ein", so Hahnemann. "Die Füße, die Fingerspitzen usw. wurden mir kalt, ich ward matt und schläfrig, dann fing mir das Herz an zu klopfen, mein Puls ward hart und geschwind, dann Klopfen im Kopfe, Röte der Wangen, Durst, kurz; alle mir sonst beim Wechselfieber gewöhnlichen Symptome erschienen nacheinander, doch ohne eigentlichen Fieberschauer." Und verschwanden auch wieder. "Ich hörte auf", so Hahnemann, "und ich ward gesund." Der Mediziner hatte damit einen einfachen Wirkungszusammenhang gefunden.
"Chinarinde", so Hahnemann, "die bei Malaria fiebersenkend
wirkt, bewirkt bei einem gesunden Menschen einen malariaähnlichen
Zustand." Auf dieser Erkenntnis aufbauend begründet Hahnemann
einen ganzheitlichen Ansatz bei der Bekämpfung von Krankheiten
die Homöopathie. Hahnemann geht vor allem in den Texten von Hippokrates, dem Urvater der Medizin, auf. Hippokrates kennt zwei wesentliche Therapieformen. Das erste Prinzip lautet "contraria contrariis curantur", was nichts anderes heißt als "Gegensätzliches wird mit Gegensätzlichem behandelt". Bis heute ist es das in der Schulmedizin am stärksten verbreitete Behandlungsprinzip. Diese "allopathische Medizin" (Schulmedizin) läuft nach Hahnemann darauf hinaus, daß störende Symptome wirkungsvoll bekämpft werden, aber nicht unbedingt die Ursachen. Schmerz- und Beruhigungsmittel funktionieren bis heute nach diesem Prinzip. Die Homöopathen sind der Meinung, man nimmt dem Körper damit auf lange Sicht die Fähigkeit zur Selbstheilung, der Körper wird gleichsam isoliert. Das zweite Prinzip des Hippokrates lautet "similia similibus curantur", "Gleiches möge mit gleichem behandelt werden". Es ist der Glaubenssatz der modernen Homöopathie: "Man ahme der Natur nach", so Hahnemann, "welche zuweilen eine chronische Krankheit durch eine andre hinzukommende heilt, und wende in der zu heilenden (vorzüglich chronischen) Krankheit dasjenige Arzneimittel an, welches eine andre, möglichst ähnliche, künstliche Krankheit zu erregen im Stande ist, und jene wird geheilet werden; similia similibus." "Es gibt nur zwei Heilweisen", wie er selbst in seinem "Organon",
seiner wichtigsten Arbeit schreibt, "die homöopathische und
die allopathische. Sie stehen einander diametral gegenüber. Beide
je nach dem Belieben des Patienten anzuwenden, wäre lächerlich
und ein Verbrechen an der göttlichen Homöopathie." Ein
Miteinander beider Methoden, wie noch bei Hippokrates, gibt es also nicht
in dem medizinischen Weltbild des Samuel Hahnemann. Aus dem "Prinzip"
wird ein Gesetz. Am 10. April 1755 wird Hahnemann als Sohn eines Porzellanmalers in Meißen geboren. Er ist körperlich gesehen eher schwächlich, aber begabt. Es ist diese Begabung, die ihm den Besuch der bekannten Fürstenschule in Meißen ermöglicht. Dort erteilt er bereits im Alter von 12 Jahren Mitschülern Nachhilfe in Griechisch. Sein Rektor ist zugleich auch sein Förderer und eine wichtige Person in seiner Entwicklung. Hahnemanns Vater will seinen Sohn aus finanziellen Gründen nicht studieren lassen. Aber der Sohn ist hartnäckig und fleißig ein wenig Glück hat er aber wahrscheinlich auch. Mit dem Beginn seines Medizinstudiums 1775 in Leipzig, Hahnemann ist gerade 20 Jahre alt, ist er auf sich allein gestellt. Er muß seinen Lebensunterhalt alleine verdienen. Seine hervorragende Ausbildung in Meißen schafft eine gute Grundlage für Übersetzungen von medizinischen und naturwissenschaftlichen Arbeiten. Hinzu kommt seine Tätigkeit als Privatlehrer, heute würde man wohl sagen "Nachhilfelehrer". Beides ermöglicht ihm ein bescheidenes Auskommen. Insgesamt stärkt Hahnemann sich in dieser Zeit, intellektuell wie körperlich. Er beschließt, seinem "Körper durch Übungen, Bewegungen und freie Luft diejenige Munterkeit und Stärke zu verschaffen, bei der nur allein fortgesetzte Geistesanstrengung mit Glück bestehen kann." Nur in einem gesunden Körper steckt auch ein gesunder Geist, und zwar durch körperliche Ertüchtigung ein Rezept, das er als Mediziner später auch seinen Patienten empfiehlt. Hahnemann studiert in Leipzig ausschließlich klassische, theoretische Texte, denn eine praktische Ausbildung existiert im eigentliche Sinne nicht. Leipzig hat nicht einmal eine angeschlossene Universitätsklinik. Bereits 1776 geht Hahnemann deshalb an das Spital der Barmherzigen Brüder in Wien. Sein dortiger Lehrer ist der berühmte Quarin. Hier lernt er bei Quarins Visiten die praktische Heilkunde. Er ist schnell der bevorzugte Schüler seines Lehrers. Nachdem Hahnemann in große Finanzschwierigkeiten gerät, besorgt Quarin seinem Schüler eine Anstellung als Bibliothekar und Hausarzt bei Baron von Brukenthal, dem Statthalter in Siebenbürgen, in Hermannstadt, dem heutigen Sibiu in Rumänien. In der umfangreichen Bibliotkek seines Dienstherren studiert Hahnemann eifrig weiter. Aber er macht auch medizinische Erfahrungen, denn in den umliegenden sumpfigen Tiefebenen ist die Malaria, das Wechselfieber, überall verbreitet. Angeregt durch von Brukenthal wird Hahnemann Mitglied der Freimaurerloge, deren Idealen er bis zum Ende seines Lebens treu bleibt. Hahnemann kehrt 1779 zurück nach Deutschland, wo er in Erlangen zum Doktor der Medizin (Thema der Dissertation: "Ursachen und Therapie von Krampfzuständen") promoviert. Danach führt er ein unstetes Leben. Es folgen Stationen in Hettstedt im Harz, Dessau und Gommern bei Magdeburg, wo er die Tochter eines Apothekers heiratet und immerhin drei Jahre seßhaft bleibt. Insgesamt führt er jedoch in diesen Jahren ein äußerst bewegtes Leben und praktiziert nur selten als Arzt. Jahre später erklärt er dies in einem der Briefe an Chistoph Wilhelm Hufeland, dem Herausgeber von "Hufelands Journal", so: "Ich machte mir ein empfindliches Gewissen daraus, unbekannte Krankheitszustände bey meinen leidenden Brüdern mit diesen unbekannten Arzneyen zu behandeln, die als kräftige Substanzen ... leicht das Leben in Tod verwandeln, oder neue Beschwerden und chronische Übel herbeyführen können, welche oft schwerer als die ursprüngliche Krankheit zu entfernen sind. Auf diese Weise ein Mörder oder Verschlimmerer des Lebens meiner Menschenbrüder zu werden, war mir der fürchterlichste Gedanke, so fürchterlich und ruhestörend für mich, daß ich in den ersten Jahren meines Ehestandes die Praxis ganz aufgab, und fast keinen Menschen mehr ärztlich behandelte und bloß - wie sie wissen - mich mit Chemie und Schriftstellerey beschäftigte." - nur nicht mit seiner eigentlichen ärztlichen Praxis. Trotz der "Chemie und der Schriftstellerey" bleibt Hahnemanns finanzielles Problem. In Dresden ist er als Gerichtsmediziner tätig und Arbeiten wie seine Schrift über die Arsenikvergiftung beweisen seine rührigen Tätigkeiten als Arzt und als Publizist. Finanziell erfolgreich ist er jedoch nicht, dafür aber bereits ein wortgewandter Kritiker der etablierten Schulmedizin. Mit seiner Familie, Hahnemann hat bereits vier Kinder, zieht er 1789
wieder zurück nach Leipzig, der Universitäts- und Buchhandelsstadt,
die auf Akademiker dieser Zeit eine besondere Anziehung hat. Im Jahre
1793 wird Hahnemann in die Deutsche Akademie der Naturforscher gewählt,
der "Leopoldina" in Halle. Es folgt 1812 seine Habilitation in Leipzig, wo er bereits Anhänger
um sich schart. Doch Hahnemanns Thesen polarisieren auch dort. Auf der
einen Seite stehen die "naturwissenschaftlich-kritischen" Homöopathen
und auf der anderen Seite die "klassischen" Homöopathen,
die im Gegensatz zu ersteren bereits ein eindeutiges Feindbild haben:
die Schulmedizin. Dieser Gegensatz zwischen Homöopathie und Schulmedizin,
der manchmal religiöse Züge trägt, bleibt bestehen, und
ist auch heute noch zu beobachten. Im Prinzip entspricht diese Aufspaltung
dem Lebensweg Hahnemanns. Der Begründer selbst gehört bis ins
Jahr 1821 der naturwissenschaftlich-kritischen Richtung der Homöopathie
an. Danach verläßt er freiwillig die Universität, die
Homöopathie ist kein Teil der Schulmedizin mehr. Hahnemann wechselt in der Folge 1821 nach Köthen, wo er unter dem Schutz Herzog Ferdinands von Köthen steht. Dort verfaßt er 1828 die ersten drei Teile seines Werkes "Die chronischen Krankheiten, ihre eigenthümliche Natur und homöopathische Heilung". Er unterhält über Jahre hinweg eine umfangreiche homöopathische Praxis. Während der Cholera-Epidemie 1831/32 gewinnen seine Empfehlungen zur Prophylaxe und Therapie große Popularität. "Ich glaube jetzt eifriger denn je an die Lehre des wundersamen Arztes, seitdem ich die Wirkung einer allerkleinsten Gabe so lebhaft gefühlt und immer wieder empfinde." Diese Worte stammen von niemand anderem als von Johann Wolfgang von Goethe. Auch er glaubt eifrig an die Homöopathie nach Hahnemann. Seine Begeisterung dokumentiert die gewachsene Akzeptanz der Homöopathie im Deutschland dieser Zeit. Hahnemann selbst siedelt mit seiner zweiten Frau Melanie d´Hervilly
79jährig nach Paris um, wo seine Lehre ebenfalls schnell Anhänger
findet. Hahnemann stirbt am 2. Juli 1843 in Paris Caspera |
|||
|
© 2002–2007 hexen-online.org
|
|||