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Hexenverfolgung
Der Anfang
Inquisition
Menschenjagd
Hexenhammer
Das Verfahren
Das Ende
Von ca. 1450 bis 1792 forderte die Hexenverfolgung europaweit unzählige
Opfer, von denen jedoch nur ungefähr 200.000 schriftlich festgehalten
wurden. Allein zweischen 1625 und 1630, dem Höhepunkt dieses Wahns, wurden
fast 1/20 der europäischen Bevölkerung auf dem Scheiterhaufen hingerichtet.
Die Geschichte einer Menschenjagd
Der Anfang
Die Menschen glaubten von Jeher an Wahrsagerei, Schadenszauber und Wettermacherei.
Aber dieser Glaube wird von der Kirche Jahrhunderte lang als Sünde bekämpft,
da solcher Aberglaube noch aus vorchristlichen Zeiten herrührt und gipfelt
785 in der Heiligen Synode von Paderborn, wo beschloßen wird: Wer vom
Teufel verleitet nach heidnischem Glauben behauptet, daß es Hexen gibt
und sie auf dem Scheiterhaufen verbrennt, wird mit dem Tode bestraft.
Das Dekret wurde von Karl dem Großen bestätigt und enthielt die Anordung,
daß alle aus der christlichen Gemeinschaft ausgeschlossen werden sollten,
die an teuflische Magie und an den nächtlichen Flug der Hexen glaubte.
Um 906 werden in der für Jahrhunderte verbindlichen kirchlichen Rechtsverordnung
Luftfahrten von Frauen und Verwandlung von Menschen in Tiere erörtert
und beschrieben, aber als Vorspiegelungen des Teufels und Wahnvorstellungen
bezeichnet.
Inquisition
Im 11. Jhd. gelangten neue Glaubensideen nach Europa, Sekten erhielten
starken Zustrom, der Kirche springen die Gläubigen ab, da die Kirche für
die Menschen aufgrund ihrer Machtstrukur, ihrem Reichtum und dem schlechten
Beispiel ihrer Oberen, nicht mehr als Vorbild der Menschen diente. Nach
dem Auftreten der Albigenser und der Waldenser wurde die Inquisition Selbstschutz
der Kirche gegen die Gefährdung durch diese Ketzer gebildet. Die Inquisition
wird als Organisation gegründet, die die Verfolgung von Ketzern zur Reinerhaltung
des Glaubens betreibt. Ziel ist nicht, Ketzer aufzuspüren, um sie zu töten,
sondern die Rettung ihrer Seelen, wobei jedes Mittel recht ist. Um 1150
wird die Verbrennung zur üblichen Strafe für Ketzer. Die Kirche übergibt
Ketzer der weltlichen Gerichtsbarkeit zur Verurteilung, damit an ihren
Händen kein Blut klebt. Ab 1232 gilt jede Verleugnung der päpstlichen
Autorität oder eine Abweichung von der offiziellen Kirchenmeinung als
Ketzerei und wird verfolgt. 1233 wird in der Ketzerbulle von Papst Gregor
IX Ketzerei und Hexerei in Verbindung gebracht. Im 13. Jhd. bestätigt
Thomas von Aquin die Existenz von Hexen und folglich auch von Dämonen.
Er erklärt, daß es die Magie gebe und daß sie nicht das Werk der Hexen,
sondern der Teufel sei. Er gilt als bedeutendster Philosoph und Theologe
des Mittelalters mit Einfluß auf die katholische Lehre bis heute. Er entwickelte
eine Aberglaubenstheorie, wonach der Mensch mit den Dämonen einen ausdrücklichen
oder stillschweigenden Pakt eingehen kann. Somit können alle abergläubischen
Handlungen ketzerisch sein. Er behauptet die Möglichkeit des Geschlechtsverkehrs
zwischen Menschen und Dämon (Teufelsbuhlschaft). Die Ketzer werden rücksichtslos
verfolgt und ausgemerzt, aber es kommt auch schon zu vereinzelten Verurteilungen
wegen Hexerei. 1264 wird die erste Hexenverurteilung festgehalten. Bis
ins 15. Jhd. folgen weitere wissenschaftliche Begründungen für den Dämonenglauben.
Da Teufelspakt Abfall von Gott bedeutet wird ein besonderer Verbrechensbegriff,
die Hexerei begründet. Der Glaube entsteht, es gäbe eine satanische Sekte,
die dabei ist, den christlichen Glauben zu unterhöhlen. Durch den 1456
erfundenen Buchdruck können solche Werte rasch und weit verbreitet werden.
Menschenjagd
Das Ende des 15. Jahrhunderts war geprägt von politischen, religiösen,
sozialen und wirtschaftlichen Krisen und Umwälzungen. Die Masse verarmt,
Seuchen, Kriege. Das Jahrhundert neigt sich seinem Ende zu, die Menschen
glauben, der Jüngste Tag rücke näher. Die Medizin wurde immer mehr zu
etwas Mystischem, bald war der Glaube geboren, daß die Verursachung von
Krankheiten aus Zauberei und dergleichen Künsten herrührten. Glaube und
Aberglaube gingen ineinander über und wurden eins. Prediger schürten den
Aberglauben mit der Herausgabe von Zeitungen über Teufel und Gespenster,
Unholde, Hexen, Feuerzeichen am Himmel, Christuswunder und andere Zeichen
göttlichen Zorns und verbreiteten Weltuntergangsstimmung und Furcht vor
den jüngsten Tag. Die Männer der Kirche nährten den Glauben des Volkes,
die Hexen seien in ein großes geheimes Komplott unter der Führung des
Teufels verwickelt, mit dem das Königreich Gottes auf Erden gestürzt werden
sollte. Sie prägten die Vorstellungen der schwarzen Messe, schmückte sie
aus und redeten den Laien ein, daß solche Messen oft stattfanden. Warum?
Die Inquisition brauchte diese allgemeine Wahnvorstellungen, weil ihre
eigentlich Aufgabe mit der Vernichtung der Albigenser, der Waldenser und
anderer Ketzergruppen endgültig erledigt war. Um ihre Existenz weiter
zu rechtfertigen, brauchte sie neue Opfer: Der Hexenwahn war die Lösung
dieses Problems. Welcher weltlichen Verbrechen man auch immer die Hexen
bezichtigte - das Verbrechen, um deswegen sie allesamt auf den Scheiterhaufen
geschickt wurden, war ein Verbrechen, dessen sie allesamt völlig unschuldig
waren, weil sie es gar nicht begangen haben konnten: Das Verbrechen des
Paktes mit einem wirklichen Teufel 1484 erließ Papst Innozenz VIII. die
berüchtigte ,,Hexenbulle" gegen Zauberei durch Personen beiderlei Geschlechts
in den Bistümern Mainz, Köln, Trier und Salzburg und setzte die Dominikaner
Jakob Sprenger und Heinrich Institoris als Inquisitoren ein. Sie durften
bei ihrem Amt "durch keinerlei Gewalt beeinträchtigt oder sonst auf
irgendeine Weise gehindert werden". Damit war die Grundlage für eine jahrhundertelange
Flut von Hexenprozessen gelegt.
Hexenhammer
1487 veröffentlichten Jakob Sprenger und Heinrich Institoris den "Hexenhammer",
DAS Buch, das zur Grundlage für die großen Hexenverfolgungen wurde. Im
Hexenhammer ist eine Darstellung aller Elemente des Hexenglaubens. Hexenglaube
und die Vorgänge bei der Behexung von Menschen werden beschrieben. Weil
die Schandtaten der Hexen alle anderen Verbrechen übertreffen, müssen
alle Hexen ausgerottet werden. Die Hexen versuchen auf jede Art ihr Ziel
zu erreichen, besonders dadurch, daß sie zuerst den Seelenzustand eines
Menschen ihrem Vorhaben dienstbar machen. Sie erzeugen Verdruß, Traurigkeit
und Erregung der Fleischeslüste, weil in diesem Zustand die Menschen den
Werbungen des Teufels am ehesten erliegen.Der Hexenhammer regelte außerdem
auch das prozeßuale Verfahren. Der Hexenhammer baut sich in drei Teile
auf: 1. Wer Teil hat an Hexerei. (Teufel, Hexe, mit Begründung der Autoren,
warum schon das Leugnen des Hexenglaubens als verwerfliche Ketzerei anzusehen
sei und daher jede Kritik selbstmörderisch war). 2. Die verschiedenen
Arten und Wirkungen der Hexerei und wie solche wieder behoben werden können.
(Beschreibung der Untaten) Nach der Beschreibung im ,,Hexenhammer" sind
die Merkmale der Hexerei: Teufelspakt, Teufelsbuhlschaft (d.h. sexueller
Verkehr mit dem Teufel), Flug durch die Luft, Hexensabbat (d.h. Treffen
mit Teufelsanbetung) und Schadenszauber. Den Hexen wurden folgende Kräfte
nachgesagt: - Wetterzauber, nämlich das Verwüsten der Felder durch Hagelsturm
und Blitzschlag, Schnee, Reif, Ungeziefer, - Verwandeln von Menschen in
Tiere, - Anhexen von Krankheiten, - Vernichtung der Zeugungskraft des
Mannes, z.B. durch Wegzaubern des Penis. 3. Der Kriminal-Kodex: Über die
Arten der Ausrottung oder wenigstens Bestrafung durch die gebührende Gerechtigkeit
vor dem geistlichen oder weltlichen Gericht, eine praktische Anleitung
für die Gerichte und Betonung auf die "Vorteile" des Inquisitionsprozesses,
der weder ein Anklageverfahren noch eine Verteidigung des Verdächtigten
erfordert. Dadurch wurde aus der Hexerei ein Sonderverbrechen, sie wurde
gleichgesetzt mit Verrat und Verschwörung, Raubmord usw… Das hatte zur
Folge, daß die Angeklagten nur eine minimale Chance hatten, sich der Bestrafung
zu entziehen. Unter Berufung auf den ,,Hexenhammer" war für den Richter
jedes Mittel gerechtfertigt, das Geständnis des Angeklagten zu erlangen.
Die einschneidenste Änderung aber blieb der Verzicht auf eine ordnungsgemäße
Anklage durch einen Kläger. Die Verurteilung konnte, entgegen geltendem
Prozeßrecht im früheren Anklageprozeß, ohne Kläger nur auf dem erpreßten
Geständnis beruhend vollstreckt werden. Aber die Außmaße der Verfolgung
hatten ihre Ursache in der "Peinlichen Gerichtsordnung Kaiser Karl des
V-ten", kurz Carolina genannt, in der für eine Urteilsprechung keine Zeugenaussagen
mehr nötig waren. Das Geständnis des Angeklagten galt als Beweis… und
zur Erzielung dessen war auch die Folter gestattet.
Das Verfahren
Ein Hexenprozess wurde anonym eröffnet, jeder konnte jeden denuzieren
und es war gewährleistet, daß derjenige dem Opfer nie bekannt wurde. Es
reichte aus, wenn angezeigt wurde, man hätte das Opfer gesehen, wie es
die und die Dinge tat… und was eine Hexe ja tat, war den Leute lange genug
eingetrichtert worden. Auf diese Weise wurde es einfach, eine unerwünschte
Ehefrau, Schwiegermutter oder Nachbarin loszuwerden. Auch Frauen, die
irgendwie aus dem Rahmen fielen, die besonders hübsch oder besonders häßlich,
die besonders auffällig oder unauffällig, die betont fromm oder betont
unfromm waren, waren gefährdet. Im Grunde genommen war jede Frau gefährdet,
sich als Angeklagte wiederzufinden. 80% der Opfer waren Frauen, schon
im Hexenhammer wurde fast ausschließlich von weiblichen Hexen geschrieben,
da Frauen schon aufgrund der Bibel (Adam und Eva), als das Geschlecht
galten, die von Natur aus leichter dem Bösen verfielen. Selbst vor Kindern
wurde nicht halt gemacht. Es sind Opfer verzeichnet, die lediglich vier
Jahre alt waren und bereits als Hexen verbrannt wurden. Es gab Dörfer,
in denen nach den großen Hexenprozessen lediglich zwei Frauen die Jagd
überlebten. Nach der Denunziation wurde das Opfer verhaftet. Als Erstes
wurde es ausgezogen und alle Körperhaare abrasiert, denn es wurde nach
dem Hexenmal gesucht. Es herrschte der Glaube, der Teufel würde jede seiner
Anhängerinnen mit einem Mal kennzeichnen. Dies konnte alles sein, ein
Leberfleck oder eine Narbe, die irgendwie auffiel… man sieht, auf diese
Weise konnte man bei jedem Opfer ein Hexenmal finden. In das Mal wurde
gestochen, blutete es nicht, war es bewiesen, daß das Opfer eine Hexe
war. Blutete es, bedeutete dies nicht die Unschuld, denn daraus wurde
geschlossen, der Teufel hätte seiner Anhängerin die Fähigkeit gegeben,
aus dem Mal zu bluten, so daß sie nicht entdeckt wurde. Als nächstes wurde
die Angeklagte der peinlichen Befragung unterzogen. Peinlich befragt kommt
von Pain, Schmerz und bedeutet Folterung. Nur durch Folterung als Mittel
der Wahrheitsfindung konnte es zu diesen absurden Geständnissen kommen.
Es wurde in mehreren Stufen gefoltert, zuerst wurden den Angeklagten die
Instrumente gezeigt und ausmalend erklärt, was sie erwartete. Wenn die
Drohnung nicht wirkte, begann die peinliche Befragung. Und zwar so lange
bis das Opfer "freiwillig außerhalb der Folterkammer gestand". Das bedeutete,
die Angeklagte wurde zum Geständnis in einen Nebenraum gebracht, gestand
sie nicht freiwillig, bedeutete dies zurück zur peinlichen Befragung.
Viele Opfer wiederriefen ihre Geständnisse nach der Folter. Dies hatte
nur zur Folge, daß sie erneut der Marter unterzogen worden, bis sie erneut
gestanden. Aber warum galt die Folter als so verläßliches Mittel zur Wahrheitsfindung?
Die Menschen glaubten, durch den Schmerz würde der Teufel die Hexe verlassen
und sie würde unter der peinlichen Befragung die Wahrheit sprechen. Ein
Widerruf dannach bedeutete lediglich, daß der Teufel sie wieder dazu gebracht
hatte, zu leugnen. Hin und wieder gab es Menschen, die es schafften, der
ganzen Folter zu widerstehen, ohne zu gestehen. Denen war das grausamste
Schicksal zuteil. Als unreuige Sünder wurden sie in der Regel lebendig
verbrannt. Unter der Folter gestanden so gut wie alle Opfer. Es ist auffällig,
daß jedes Geständnis genau den gleichen Inhalt hat, wie im Hexenhammer
beschrieben. Selbst wenn die Angeklagte bereits vor der Folter geständig
war, eine Hexe zu sein (es gab immer wieder Geisteskranke, die freiwillig
gestanden), wärend der Folter änderte sich das Geständnis auf das, was
im Hexenhammer beschrieben worde, auch wenn das Opfer das Buch niemals
gelesen hat, ja gar nicht lesen konnte. Es ist anzunehmen, daß die Folterer
das Geständnis diktierten und das Opfer nur noch bejahen mußte (zu mehr
darf so eine arme Frau nach stundenlanger Qual auch gar nicht mehr in
der Lage gewesen sein). Das Geständnis war der Beweis. Das Opfer wurde
verurteilt. Eine besondere Funktion der Folter war das Nennen von Komplizen,
das solange fortgeführt wurde, bis die Angeklagte zwanzig bis vierzig
weitere Namen genannt hatte. Die Genannten wurden ebenfalls verhaftet
und gerieten auch in das Mahlwerk Hexenprozess. Selbst vor der Folter
von Kindern wurden nicht zurückgeschreckt, im Gegenteil, es gab die Anordnung,
Kinder sofort und ohne Aufenthalt zu foltern. Aufgrund der leichten Beinflussung
von Kindern und ihrer Phantasie legten sie die ausführlichsten Geständnisse
ab, benannten die meisten Komplizen. Eine Verteidigung war so gut wie
ausgeschlossen, jede, der eine Hexe verteidigte, geriet in Verdacht, selber
eine zu sein und geriet in Gefahr, sich als Angeklagter wiederzufinden.
Die Strafe war grausam: der Tod auf dem Scheiterhaufen. In der Regel jedoch
wurden geständige und reuige Angeklagte der Barmherzigkeit zuteil, vor
der Verbrennung enthauptet oder erwürgt zu werden. Lediglich unreuigen
und ungeständigen Angeklagten wurde die besondere Qual der lebendigen
Verbrennung zuteil.
Das Ende
Aufklärung und Kultur der Renaissance breiten sich gegen Ende des 16.
Jhd. über Europa aus. Kritsche Vernuft und Wissenschaft erlangen wieder
Bedeutung… die Inquisitionsgerichte verschwinden allmählich…
In Deutschland findet der letzte Hexenprozess 1793 im Großherzogtum Posen
statt. Die letzte Hexe, die bewiesenermaßen auf europäischem Boden hingerichtet
wird, ist Anna Göldin aus Glarus in der Schweiz. Sie gesteht nach wochenlangen
Verhören und Folter und wird 1782 hingerichtet. Die letzte Frau, die wegen
Hexerei angeklagt, aber nicht verurteilt wird,laber soll eine Frau 1944
in England gewesen sein (leider der Autorin namentlich nicht bekannt).
In Großbrittanien werden erst in den 50er Jahren dieses Jahrhunderts die
Gesetzte gegen Hexerei abgeschafft.
Aber noch Jahrhunderte länger hält sich der Aberglaube vom Zusammengehören
von Magie und Teufelsbuhlschaft in den Köpfen der Menschen… teilweise
bis heute.
Gwen
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